8Switch-Knoten und Szenarien
Was der Switch leistet
Normalerweise gilt auf dem Murder Board: Alle Eingangs-Elemente, die mit einem Widget verbunden sind, schicken ihre Daten dorthin. Eine Karte zeigt alle verbundenen Bewegungspfade gleichzeitig. Ein Graph zeigt alle verbundenen Zeitreihen gleichzeitig.
Das ist oft richtig — aber nicht immer.
Manchmal will man vergleichen, nicht überlagern:
- „Wie sieht die Bewegung aus, wenn Person A der Täter war? Und wie, wenn es Person B war?"
- „Welches Szenario passt besser zu den gemessenen Ankunftszeiten?"
- „Wie sähe die Datenlage aus ohne die Twitter-Quelle — bleibt der Befund stabil?"
Der Switch-Knoten erlaubt genau das. Er empfängt Verbindungen von mehreren Eingangs-Elementen, leitet aber nur die aktuell ausgewählten an seine Senken weiter. Ein Klick schaltet um. Die Karte zeigt ein anderes Szenario. Der Graph zeigt eine andere Datenbasis.
Den Switch anlegen
Wie jedes andere Widget über das + Menü:
+Button → Switch- Ein kleiner Knoten erscheint mit der Beschriftung „Switch"
- Verbinden Sie mehrere Eingangs-Elemente mit dem Switch
- Verbinden Sie den Switch mit einer Karte, einem Graphen oder einem anderen Widget
Die erste Verbindung, die Sie ziehen, aktiviert automatisch den ersten Eingang. Der Switch ist sofort einsatzbereit.
Eingänge auswählen
Im Switch-Knoten sehen Sie alle verbundenen Eingangs-Elemente als Optionen — beschriftet mit ihren Elementnamen.
Die Auswahl funktioniert so:
- Klick auf einen Eintrag — wählt genau diese Quelle aus, alle anderen werden deaktiviert
- Shift+Klick — fügt den Eintrag zur bestehenden Auswahl hinzu (Mehrfachauswahl)
- Erneuter Klick auf einen aktiven Eintrag — deaktiviert ihn
Die aktiven Eingänge sind visuell hervorgehoben. Die ausgehenden Verbindungen liefern nur die Daten dieser Quellen an die angeschlossenen Senken. Im Konfidenz-Farbmodus nehmen die ausgehenden Verbindungen sogar die Farbe der aktuell gewählten Eingangsquelle an — so ist auf einen Blick sichtbar, welches Szenario gerade dargestellt wird.
Anwendungsbeispiele
Zwei Verdachtsszenarien vergleichen
Sie ermitteln einen Einbruch. Zwei Personen kommen als Täter in Frage. Für jede haben Sie einen eigenen Bewegungspfad rekonstruiert — aus Zeugenaussagen und Kameraaufnahmen.
Aufbau:
- Element „Bewegung Person A" mit Pfad 1
- Element „Bewegung Person B" mit Pfad 2
- Beide verbunden mit einem Switch
- Der Switch verbunden mit einer Karte
Jetzt können Sie per Klick zwischen beiden Szenarien umschalten. Die Karte zeigt nacheinander die Routen — in denselben Zeitfenstern, mit derselben Tag/Nacht-Simulation, vor demselben Hintergrund. Der direkte Vergleich macht Unterschiede sichtbar, die bei paralleler Darstellung im Farbchaos untergehen würden.
Datenbasis verändern
Sie haben drei Datenquellen zu einem Ereignis: Nachrichten, Twitter-Posts und Telegram-Nachrichten. Alle drei verbunden mit einem Verlaufsgraphen zeigt eine komplexe, übereinanderliegende Kurvenschar.
Mit einem Switch dazwischen können Sie einzeln prüfen:
- Wie sieht die Dynamik nur in den Nachrichten aus?
- Wie nur auf Twitter?
- Wie in beiden kombiniert?
- Was bleibt, wenn wir die dritte Quelle weglassen?
Das ist kein Feature zum Weglassen unbequemer Daten — es ist ein Werkzeug zur Robustheits-Prüfung. Ein Befund, der nur in einer einzigen Quelle sichtbar ist, ist schwächer als einer, der in zweien konvergiert.
Mit Hypothesen verbinden
Zwei konkurrierende Hypothesen — Hypothese A und Hypothese B — können jeweils eine eigene Kette von Bedingungen und gesicherten Elementen tragen. Ein Switch, der zwischen beiden Hypothesen umschaltet, speist nur die relevanten Evidenz-Elemente an einen KI-Analysten oder einen Bericht-Generator weiter.
Sie bekommen damit zwei Bewertungen — eine pro Hypothese — und können sie direkt nebeneinander lesen.
Mehr zur Arbeit mit Hypothesen in Kapitel 22.
Szenarien systematisch aufbauen
Wenn Sie mehrere Szenarien strukturiert vergleichen wollen, hat sich folgende Arbeitsweise bewährt:
1. Gemeinsame Basis anlegen
Alle Elemente, die in allen Szenarien gleich sind — Tatort, Zeitpunkt des Ereignisses, gesicherte Fakten — werden einmal angelegt und bleiben für alle Szenarien verfügbar.
2. Szenarien-spezifische Elemente separat
Für jedes Szenario legen Sie die spezifischen Elemente an — Bewegungen, Hypothesen, variable Bedingungen.
3. Switch dazwischenschalten
Der Switch verbindet die Szenario-spezifischen Elemente mit den Widgets, die das Ergebnis zeigen — Karte, Graph, KI-Analyst.
4. Konfidenz-Farbmodus aktivieren
Damit in der Ausgabe sichtbar ist, welches Szenario gerade aktiv ist.
Was der Switch nicht ist
Der Switch ist kein Datenfilter — er entfernt nichts dauerhaft. Er ist kein A/B-Test — er misst nichts statistisch. Er ist kein Presentation Layer — er verändert nicht, wie Daten aussehen.
Er ist ein Schalter für Datenfluss. Ein einfaches, klares Werkzeug, das eine einfache, aber wichtige Frage beantwortet: „Was sehe ich in diesem Widget — und was nicht?"
Grenzen und Vorsicht
Der Switch macht Szenarien sichtbar — aber er löst nicht das grundlegende Problem, dass Sie sie erkennen müssen. Wenn Sie nur ein Szenario im Kopf haben, wird der Switch Sie nicht automatisch auf Alternativen bringen. Er ist ein Werkzeug für Ermittler, die mehrere Möglichkeiten aktiv bedenken — und eine systematische Art suchen, sie zu vergleichen.
Ein weiterer Punkt: Der Switch speichert, welche Eingänge zuletzt aktiv waren. Wenn Sie ein Projekt öffnen und das Ergebnis nicht Ihren Erwartungen entspricht, lohnt der Blick auf den Switch-Status. Manche Widgets sind leer, weil der Switch sie gerade nicht füttert.
Was Sie jetzt können
- Einen Switch-Knoten anlegen und mit mehreren Eingangs-Elementen verbinden
- Zwischen Eingängen per Klick oder Shift+Klick umschalten
- Mehrere Szenarien nebeneinander aufbauen und vergleichen
- Die Datenbasis einer Analyse dynamisch verändern, um Robustheit zu prüfen
- Den Switch mit dem Konfidenz-Farbmodus kombinieren, um Szenarien visuell zu trennen
- Konkurrierende Hypothesen systematisch aufbauen und einzeln speisen