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Teil VIII · Kontrolle

33Projekt-Export und -Import

Eine Ermittlung entsteht oft nicht an einem einzigen Ort. Sie wird weitergegeben — an Kollegen, Auftraggeber, Gerichte, Archive. Sie wird gesichert — als Backup, als gerichtsfeste Fassung, als Snapshot zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie wird migriert — von einer SpectralQ-Instanz auf eine andere. Für all das bietet SpectralQ den Projekt-Export als ZIP-Paket und den passenden Projekt-Import. Dieses Kapitel zeigt, welche Export-Formate es gibt, was im Projekt-ZIP enthalten ist und wie Sie den Import nutzen, um Ermittlungen zu rekonstruieren oder fortzuführen.

Warum Export wichtig ist

Alles, was eine Plattform leisten kann, ist wertlos, wenn die Inhalte darin gefangen bleiben. Drei Gründe sprechen für starke Export-Mechanismen:

Datensouveränität. Ihre Ermittlungen gehören Ihnen. Sie müssen jederzeit in der Lage sein, den vollständigen Arbeitsstand aus dem System herauszuholen — ohne Abhängigkeit vom Anbieter, ohne Rückfragen, ohne Verlust.

Gerichtsfestigkeit. Eine Ermittlung, die vor Gericht Bestand haben soll, braucht eine fixierte Fassung zum Zeitpunkt X. Live-Systeme entwickeln sich weiter — sie eignen sich nicht als Beweismittel ohne Zustandskonserven.

Zusammenarbeit. Wenn Sie ein Projekt an ein externes Team übergeben, das keine SpectralQ-Zugriff hat — oder wenn Sie zwischen eigener Instanz und Kunden-Instanz wechseln — brauchen Sie ein portables Format.

SpectralQ bietet dafür vier Export-Varianten, die sich ergänzen.

Die vier Export-Formate

Im Bereich Projekte finden Sie oben einen Export-Button. Er öffnet die Auswahl:

1. Word-Dokument

Ein strukturierter Bericht als klassisches Office-Dokument. Enthält:

  • Projekt-Metadaten (Titel, Zeitraum, Beteiligte)
  • Briefing und Zielsetzung
  • Eine textuelle Zusammenfassung des Murder Boards
  • Ergebnisse der KI-Analysten
  • Synthesebericht des 5-Agenten-Systems (falls vorhanden)
  • Ausgewählte Map-Snapshots als eingebettete Bilder
  • Fußnoten mit Datenquellenverweisen

Geeignet für: Berichte an Auftraggeber, Dokumentation in klassischen Workflows, Weitergabe an Personen ohne SpectralQ-Zugriff. Das Word-Format ist nicht interaktiv — die Dynamik des Murder Boards geht verloren. Aber es ist universell lesbar und in juristischen wie in wirtschaftlichen Kontexten akzeptiert.

2. Scientific Paper

Eine stärker strukturierte Fassung, die dem Aufbau wissenschaftlicher Publikationen folgt. Enthält:

  • Abstract
  • Einleitung und Fragestellung
  • Methodik (welche Datenquellen, welche Analysen)
  • Ergebnisse mit Referenzierung auf Konfidenz-Typen
  • Diskussion und Grenzen der Analyse
  • Referenzen

Geeignet für: Forschungspublikationen, akademische Einreichungen, strukturierte Fachberichte. Das Format eignet sich nicht für PR-Veröffentlichungen, sondern für wissenschaftliche oder quasi-wissenschaftliche Kontexte.

3. LinkedIn-Post

Eine Kurzfassung als Social-Media-taugliche Aufbereitung. Typischerweise:

  • Eingängige Überschrift
  • Drei bis fünf Kernerkenntnisse als Listenpunkte
  • Ein oder zwei eingebettete Visualisierungen
  • Call-to-Action oder Weiterleitung

Geeignet für: Öffentlichkeitsarbeit, Sichtbarmachen eigener Forschungsarbeit, Teaser für ausführlichere Publikationen. Dieses Format verzichtet bewusst auf Details — es ist eine Zusammenfassung zum Teilen, keine vollständige Ermittlungsdokumentation.

4. Projekt-ZIP

Der vollständige Export. Ein ZIP-Paket, das alles enthält, was zur Ermittlung gehört. Das ist das entscheidende Format für Backup, Migration und gerichtsfeste Archivierung.

Was im Projekt-ZIP enthalten ist

Das Projekt-ZIP ist nicht eine exportierte Zusammenfassung — es ist ein vollständiger Snapshot des Projekts. Konkret:

Murder Board

  • Alle Elemente mit allen Datenkategorien (Bewegungspfade, Standorte, Zeitspannen, Schlüsselbegriffe, Content, Links)
  • Konfidenz-Typen jedes Elements
  • Verbindungen zwischen Elementen und Widgets
  • Switch-Knoten mit ihren aktuellen Aktivierungen
  • Karten mit Zoomstufen, Ausschnitten und gezeichneten Objekten
  • Verlaufsgraphen mit ihren Einstellungen
  • Netzwerkgraphen
  • Mindmaps mit Strukturen und Verbindungen
  • Chronologie-Widgets mit allen Einträgen
  • KI-Analysten mit ihren Ergebnissen
  • Board-Layout (welcher Knoten wo positioniert ist)

Plugin-Daten

Die tatsächlich abgerufenen Rohdaten aller genutzten Datenquellen. Nicht nur die Konfiguration der Plugins, sondern die Inhalte:

  • News-Artikel, die abgerufen wurden
  • Telegram-Nachrichten, die gesammelt wurden
  • Wikipedia-Artikelstände zum Abrufzeitpunkt
  • Satellitenaufnahmen, Wetterdaten, Seismik-Werte
  • Alle anderen Plugin-Ausgaben

Damit lässt sich die Ermittlung rekonstruieren, selbst wenn die ursprünglichen Datenquellen später nicht mehr verfügbar sind.

GT-Studio-Inhalte

  • Alle dem Projekt zugeordneten Keywords
  • Ihre aktuellen Trend-Daten
  • Labor-Analyse-Ergebnisse
  • Triangulations-Konfigurationen

Bilder und Dokumente

  • Alle hochgeladenen Bilder
  • Alle PDF-Dokumente
  • Ihre Metadaten (Titel, Kommentare, Einordnung)

Präsentation

  • Alle Slides mit Viewports, aktiven Nodes, Annotationen
  • Audio-Kommentare als WebM-Dateien
  • Konfigurierte Hintergrundmusik (als Referenz, nicht als Audio-Datei selbst)
  • Slide-Reihenfolge und Metadaten

Audit Trail

  • Der vollständige Audit Trail bis zum Exportzeitpunkt
  • Mit allen Hash-Verkettungen
  • Inklusive des aktuellen Hash-Endpunkts zum Exportzeitpunkt

Das macht das Projekt-ZIP zur forensischen Konserve: Es beweist den Zustand des Projekts zu einem bestimmten Moment.

Briefing und Projekt-Metadaten

  • Ursprüngliches Briefing
  • Projekt-Titel, Erstellungsdatum, Bearbeiter-Historie
  • Iterationsstufe (bei APA-Läufen)
  • Tags und Kategorisierungen
Hinweis — Ein Projekt-ZIP ist typischerweise wenige Megabyte bis einige Gigabyte groß — je nach Menge der abgerufenen Daten und eingebundenen Bildern. Die Kompression hält das Format portabel; auch umfangreiche Ermittlungen lassen sich per E-Mail versenden oder auf einem USB-Stick weitergeben.

Ein Projekt exportieren

Der Ablauf ist einfach:

  1. Im Hauptmenü Projekte öffnen
  2. Projekt in der Liste auswählen
  3. Export-Button oben klicken
  4. Format wählen (Word, Paper, LinkedIn, Projekt-ZIP)
  5. Bei Projekt-ZIP: Download startet

Der Export läuft im Hintergrund — je nach Projektgröße dauert er Sekunden bis einige Minuten. Während des Exports sehen Sie einen Fortschrittsbalken.

Nach Abschluss liegt die Datei im Standard-Downloadordner Ihres Browsers. Bei Projekt-ZIPs ist der Dateiname typischerweise nach Schema projekt_titel_YYYY-MM-DD_HHMM.zip aufgebaut — so sehen Sie sofort, wann der Export erstellt wurde.

Exporte archivieren

Exports sollten strukturiert archiviert werden. Empfehlung:

  • Eigenes Verzeichnis pro Projekt
  • Automatische Versionierung (Datum/Zeit im Dateinamen)
  • Mindestens eine Kopie auf externem Speicher (NAS, Cloud, externes Laufwerk)
  • Bei forensischen Ermittlungen: Kopie an einem schreibgeschützten Ort

Der ZIP-Export ist in Kombination mit dem Audit Trail die Grundlage gerichtsfester Arbeit. Regelmäßige Exporte (wöchentlich oder täglich) dienen als externe Hash-Sicherung (siehe Kapitel 31).

Ein Projekt importieren

Der Import funktioniert symmetrisch zum Export:

  1. Projekte im Hauptmenü öffnen
  2. Import-Button oben klicken
  3. ZIP-Datei auswählen
  4. SpectralQ prüft das Paket auf Vollständigkeit und Konsistenz
  5. Nach Bestätigung wird das Projekt eingelesen

Nach erfolgreichem Import erscheint das Projekt in Ihrer Projektliste wie jedes andere. Sie können es öffnen, weiterbearbeiten, weitere Analysen durchführen.

Was beim Import neu angelegt wird

Der Import erzeugt im Zielsystem:

  • Ein neues Projekt mit dem ursprünglichen Titel
  • Alle Murder-Board-Elemente und -Widgets
  • Plugin-Daten in der ursprünglichen Form
  • Alle Bilder und Dokumente
  • Den Präsentationsbereich mit Slides
  • Den Audit Trail als historischen Bestand

Was beim Import zusammengeführt wird

Eine wichtige Besonderheit: Bestehende Keywords im Zielsystem werden nicht dupliziert. Wenn ein Keyword mit identischen Parametern (Begriff, Geo, Zeitraum, Gprop) bereits im Zielsystem existiert, wird es dem neuen Projekt zugeordnet — statt eine Dublette anzulegen.

Das hat einen pragmatischen Grund: Trends-Abrufe kosten Ressourcen. Wenn das Zielsystem das Keyword schon kennt, wäre eine Dublette Verschwendung. Die Zuordnung hält die Datenbasis schlank.

Hinweis — Beim Import fremder Projekt-ZIPs sollten Sie die Quelle vertrauen. Ein böswillig präpariertes ZIP könnte theoretisch Daten enthalten, die das System verwirren. SpectralQ prüft die Struktur, aber nicht die inhaltliche Redlichkeit der Daten.

Typische Einsatz-Szenarien

Szenario 1 — Backup vor kritischer Änderung

Sie planen eine umfangreiche Umstrukturierung Ihrer Ermittlung. Bevor Sie beginnen, exportieren Sie das Projekt als ZIP. Falls die Umstrukturierung sich als falsch erweist, können Sie jederzeit zum vorherigen Zustand zurückkehren — entweder durch Import in ein neues Projekt (zum Vergleichen) oder durch Ersetzen des aktuellen Projekts (zum Wiederherstellen).

Szenario 2 — Übergabe an externes Team

Eine Recherche wird an ein Journalistenteam übergeben, das ebenfalls SpectralQ nutzt, aber auf eigener Instanz. Sie exportieren das Projekt als ZIP, das Team importiert es. Alle Daten — inklusive Audit Trail bis zum Exportzeitpunkt — sind im Zielsystem verfügbar.

Das Team kann die Ermittlung nahtlos fortführen. Spätere Änderungen im Zielsystem entstehen dort einen neuen Audit-Trail, anknüpfend an den importierten Bestand.

Szenario 3 — Gerichtsfeste Archivierung

Nach Abschluss einer Ermittlung, die als Beweis vor Gericht verwendet werden soll, wird ein finales Projekt-ZIP erstellt. Dieses ZIP wird:

  • Auf einem schreibgeschützten Medium gesichert
  • Mit einem externen vertrauenswürdigen Zeitstempel versehen (TSA)
  • Bei Bedarf mit digitaler Signatur versehen

Das Paket dokumentiert fixiert den Ermittlungsstand. Zusammen mit dem verkettetetn Hash des Audit Trails und dem TSA-Zeitstempel ist die Integrität mathematisch beweisbar.

Szenario 4 — Sanierung einer Instanz

Ein Server muss ersetzt werden. Alle Projekte werden exportiert, die neue Instanz wird frisch aufgesetzt, alle Projekte werden importiert. Kontinuität bleibt vollständig erhalten — Benutzer öffnen ihre Projekte und finden sie exakt im letzten Zustand.

Szenario 5 — Ermittlungen klonen

Ein Projekt dient als Template für ähnliche Untersuchungen. Die Ausgangsstruktur (Elemente, Standard-Verbindungen, typische Datenquellen-Konfigurationen) wird als Projekt-ZIP exportiert und bei Bedarf als Basis für neue Ermittlungen importiert.

Das spart bei wiederkehrenden Analysen erhebliche Aufbauzeit — etwa bei Behörden, die standardisierte Ermittlungsschritte haben.

Projekte kopieren — die interne Alternative

Für Projekte innerhalb derselben SpectralQ-Instanz gibt es eine schnellere Alternative als Export-Import: die Projekt-Kopie.

In der Projekt-Liste hat jede Zeile eine Kopier-Aktion. Diese dupliziert:

  • Snapshots
  • Slides
  • Alle Murder-Board-Elemente mit allen Verbindungen
  • Switch-Referenzen
  • Prezi-Slides

Keywords werden verlinkt, nicht dupliziert — dasselbe Prinzip wie beim Import.

Die Kopie ist sofort verfügbar. Sie ist ideal, wenn Sie ein bestehendes Projekt als Basis nehmen und davon ausgehend eine Variante aufbauen wollen — etwa eine Hypothesen-Prüfung mit anderen Ausgangsannahmen.

Hinweis — Kopie ist intern, Import ist plattformübergreifend. Beide sind forensisch unbedenklich — der Audit Trail jeder Kopie beginnt beim Kopier-Zeitpunkt, die ursprüngliche Herkunft ist dokumentiert.

Briefings im Export- und Import-Prozess

Das Briefing — also die ursprüngliche Beschreibung der Fragestellung, mit der das Projekt begonnen hat — wird beim APA-Start eingegeben und automatisch als Projektbriefing gespeichert.

Es ist:

  • Im Projekt-ZIP enthalten — beim Import wird es übernommen
  • In Word- und Paper-Exporten aufgenommen — als kontextuelle Einleitung
  • Jederzeit einsehbar und bearbeitbar — unter Projekte

Besonders beim Import fremder Projekte ist das Briefing wertvoll: Es erklärt, was das ursprüngliche Team mit der Ermittlung vorhatte. Ohne Briefing ist ein importiertes Projekt oft kryptisch — mit Briefing sofort verständlich.

Grenzen und Vorsicht

Was nicht mit-exportiert wird

Einige Dinge bleiben an die jeweilige Instanz gebunden:

  • Benutzerkonten und Rollen — gehören zur Instanz, nicht zum Projekt
  • API-Schlüssel der Plugins — müssen im Zielsystem neu eingegeben werden
  • Benutzerspezifische UI-Einstellungen — Farbthemes, Verbindungsfarben, bevorzugte Routing-Optionen
  • Aktive Freigabe-Links — Gast-Links und Embed-Links verfallen beim Export

Das ist Absicht. API-Schlüssel und Konten sind sensible Daten, die nicht automatisiert migriert werden sollen. Beim Import müssen Sie ggf. Plugins im Zielsystem neu konfigurieren.

Kompatibilität zwischen Versionen

Projekt-ZIPs sind versionsgebunden. Ein ZIP aus einer alten SpectralQ-Version kann in einer neuen Version importiert werden — aber umgekehrt ist nicht garantiert. Neuere Versionen erweitern das Datenformat um neue Felder, die ältere Versionen nicht kennen.

Für langfristige Archivierung empfiehlt sich: Zusätzlich zum ZIP einen Word- oder Paper-Export anfertigen. Beide Formate sind plattformunabhängig lesbar — auch noch, wenn die ursprüngliche SpectralQ-Version längst nicht mehr verfügbar ist.

Vertraulichkeit

Ein Projekt-ZIP enthält alle Daten der Ermittlung — inklusive möglicherweise sensibler Inhalte (Personendaten, Belege, interne Notizen). Behandeln Sie ZIP-Pakete entsprechend:

  • Nicht in öffentliche Cloud-Speicher
  • Bei Weitergabe verschlüsselt versenden
  • In Behörden-Kontexten: gemäß den jeweiligen Sicherheitsstufen handhaben
Hinweis — Ein Projekt-ZIP ist im Umgang wie eine Ermittlungsakte zu behandeln. Alles, was für die physische Akte gelten würde, gilt auch für das digitale Pendant — Aufbewahrung, Zugangsbeschränkung, Vernichtung.

Was Sie jetzt können

  • Die vier Export-Formate (Word, Scientific Paper, LinkedIn, Projekt-ZIP) und ihre jeweiligen Einsatzbereiche unterscheiden
  • Wissen, was im Projekt-ZIP enthalten ist — vom Murder Board bis zum Audit Trail
  • Ein Projekt als ZIP exportieren und in strukturierten Archiven sichern
  • Projekte aus ZIP-Paketen importieren und dabei die Keyword-Deduplikation verstehen
  • Typische Szenarien umsetzen — Backup, Übergabe, Archivierung, Sanierung, Templating
  • Den Unterschied zwischen internem Kopieren und plattformübergreifendem Import einordnen
  • Das Briefing als Kontext-Element in Export und Import nutzen
  • Die Grenzen des Exports erkennen — was bleibt in der Instanz, wie ist Versions-Kompatibilität zu behandeln
  • Vertraulichkeit und Sicherheit beim Umgang mit Projekt-ZIPs wahren
  • Projekt-Exporte mit dem Audit Trail kombinieren, um gerichtsfeste Beweislagen zu schaffen