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Teil V · KI-Analyse

21KI-Analyst als Board-Node

Das 5-Agenten-System baut ein vollständiges Murder Board auf. Der KI-Analyst macht etwas anderes: Er ist ein Knoten auf dem bestehenden Board, der punktuelle Analysen durchführt — genau auf die Elemente, die Sie ihm anschließen. Kein vollautomatischer Aufbau, sondern gezielte Fragen an ausgewählte Teile der Ermittlung. Dieses Kapitel zeigt, wie Sie den KI-Analysten sinnvoll einsetzen und wann er das richtige Werkzeug ist.

Die Idee: Analyse dort, wo die Daten sind

In klassischen Analyse-Tools wechselt man das Interface: Daten sind hier, KI-Analyse ist dort. Sie müssen Inhalte kopieren, einfügen, Kontext erklären. Was dabei verloren geht, ist die direkte Beziehung zwischen Frage und Datenbasis.

Der KI-Analyst löst das, indem er selbst ein Knoten auf dem Murder Board wird. Sie verbinden ihn mit den Elementen, Datenquellen oder anderen Widgets, die analysiert werden sollen. Die KI sieht dann genau das, was der Knoten eingangsseitig empfängt — nicht mehr, nicht weniger.

Das hat zwei Konsequenzen:

Die Analyse ist transparent. Was der KI-Analyst sieht, sehen auch Sie — es sind die verbundenen Board-Elemente. Was er nicht sieht, analysiert er nicht.

Die Analyse ist isoliert. Ein KI-Analyst, der nur mit drei News-Artikeln verbunden ist, bekommt nichts von anderen Teilen der Ermittlung mit. Sie kontrollieren den Kontext durch die Verbindungen.

Hinweis — Das Prinzip ist vergleichbar mit einem Rechercheur, den Sie an den Tisch holen und dem Sie genau die Unterlagen vor die Nase legen, die er durchsehen soll. Er macht keine Umwege, er liest keine Akten, die ihn nichts angehen.

Einen KI-Analysten anlegen

Wie jedes andere Widget über das + Menü:

  1. + Button → KI-Analyst
  2. Ein Knoten erscheint auf dem Board
  3. Der Status zeigt zunächst: „Keine Verbindungen"
  4. Verbinden Sie den Analysten mit Elementen, Datenquellen oder Widgets — per Long-Press oder über das Verbinden-Werkzeug

Sobald Verbindungen bestehen, zeigt der Knoten, mit wie vielen Eingängen er gerade arbeitet. Die Analyse ist noch nicht gestartet — Sie entscheiden wann.

Die vier Analyse-Typen

Ein Klick auf Analyse starten öffnet ein Popup mit vier Optionen:

Zusammenfassung

Die KI fasst die Inhalte aller verbundenen Elemente zusammen. Das Ergebnis ist eine kondensierte Darstellung dessen, was in den Quellen steht — ohne Interpretation, ohne Wertung.

Geeignet für:

  • Lagebilder — der aktuelle Stand einer Ermittlung in wenigen Absätzen
  • Kurzberichte — schnelle Übersicht über ein Themenfeld
  • Abschluss-Überblicke — Synthese am Ende einer Analysephase

Sie bekommen, was die verbundenen Quellen sagen — gebündelt, aber nicht beurteilt.

Faktenextraktion

Hier arbeitet die KI strenger. Sie extrahiert nüchterne Fakten aus den verbundenen Quellen — jeder Fakt mit seiner Herkunft:

  • [Quelle: news_12] Die Sitzung fand am 15. Januar um 14:00 statt
  • [Quelle: wiki_03] Person X ist seit 2019 im Vorstand
  • [Quelle: telegram_88] Ein Treffen in Berlin war am 3. Januar angekündigt

Jeder Fakt steht für sich und trägt die Referenz auf seine Quelle. Aussagen, die sich in keiner Quelle eindeutig belegen lassen, werden nicht extrahiert — sie erscheinen nicht in der Liste.

Geeignet für:

  • Beweisführung — wenn Sie wissen müssen, was in Quellen wirklich belegbar ist
  • Konsistenzprüfung — widersprechen sich die Quellen in Einzelfakten?
  • Zitat-Vorlagen für Berichte

Politische Ausrichtung

Bei Nachrichten- und Textquellen bewertet die KI:

  • Politische Position der Quelle (wo einordnen lässt)
  • Rhetorische Muster — aggressive, neutrale, beschönigende Sprache
  • Mögliche Voreingenommenheit — einseitige Fokussierung, weggelassene Perspektiven

Das ist kein Werturteil, sondern eine sprachliche Analyse: „Der Artikel verwendet affirmative Formulierungen für Partei X und relativierende für Y."

Geeignet für:

  • Medienanalyse — unterschiedliche Berichterstattung zu gleichen Ereignissen
  • Narrativ-Forschung — wie entwickelt sich die Darstellung eines Themas?
  • Quellenkritik — bevor Sie Aussagen einer Quelle gewichten
Hinweis — Die politische Einordnung macht keinen Anspruch auf absolute Wahrheit. Sie beschreibt, wie eine Quelle sprachlich agiert — nicht, ob das gut oder schlecht ist. Die Wertung bleibt bei Ihnen.

Eigene Frage

Die vierte Option ist die flexibelste: Sie stellen eine freie Frage in normaler Sprache. Die KI beantwortet sie auf Basis der verbundenen Inhalte.

Beispiele:

  • „Gibt es Hinweise darauf, dass die Entscheidung unter Zeitdruck getroffen wurde?"
  • „Welche Personen werden in mehreren Quellen erwähnt?"
  • „Wird eine geografische Verbindung zwischen A und B hergestellt?"
  • „Wo widersprechen sich die Quellen direkt?"

Das ist der universellste Modus — und gleichzeitig der mit dem meisten Potenzial für Fehlnutzung. Die Frage sollte konkret sein und sich aus den verbundenen Quellen beantworten lassen. Fragen wie „Wer ist der Täter?" produzieren bestenfalls Vermutungen, schlimmstenfalls Halluzinationen.

Ergebnis-Darstellung

Nach Abschluss der Analyse zeigt der Knoten eine Vorschau des Ergebnisses. Die ersten Zeilen sind direkt lesbar, ohne dass Sie das Popup öffnen müssen.

Für die vollständige Ansicht klicken Sie auf Ergebnis ansehen. Es öffnet sich ein großes Popup mit:

  • Der vollständigen Analyse
  • Einer Rückfrage-Funktion — Sie können weiterfragen, vertiefen, präzisieren
  • Referenzen auf die verbundenen Quellen (klickbar, springt zum Element)

Die Rückfragen behalten den Kontext der verbundenen Elemente bei. Sie unterhalten sich also nicht mit einem generischen Chatbot, sondern mit einer KI, die auf einen klar umgrenzten Datenbestand zugreift — nämlich genau die Elemente, die mit dem Analysten verbunden sind.

Mehrere KI-Analysten auf einem Board

Ein Murder Board kann mehrere KI-Analysten enthalten. Jeder mit eigenen Verbindungen, eigenen Fragen, eigenen Ergebnissen.

Typische Muster:

  • Parallele Perspektiven — ein Analyst für Zusammenfassung, einer für Faktenextraktion, einer für politische Einordnung — alle mit denselben Quellen verbunden
  • Thematische Trennung — ein Analyst pro Themenfeld (Akteure, Zeitverlauf, Finanzen), jeweils mit den thematisch passenden Elementen verbunden
  • Szenarien-Vergleich — zwei Analysten mit unterschiedlichen Quellengruppen für Hypothesen-Vergleich

Die Analysten stören sich nicht. Jeder hat seinen eigenen Kontext, seine eigene Fragestellung, sein eigenes Ergebnis.

Hinweis — Bei größeren Boards lohnt sich die Gewohnheit, KI-Analysten thematisch zu benennen — nicht „Analyst 1" sondern „Zeitverlauf-Analyse" oder „Quellenbewertung". So verlieren Sie auch bei vielen Knoten nicht den Überblick.

Wann der KI-Analyst und wann das 5-Agenten-System?

Beide Werkzeuge nutzen KI — aber für unterschiedliche Zwecke:

Das 5-Agenten-System (Kapitel 20):

  • baut ein vollständiges Murder Board auf
  • führt Datenerhebung durch
  • erstellt Gesamtberichte
  • läuft einmalig pro Projekt

Der KI-Analyst:

  • operiert auf einem bestehenden Board
  • greift auf bereits vorhandene Daten zu
  • beantwortet punktuelle Fragen
  • läuft beliebig oft, parallel, mit verschiedenen Zielsetzungen

Eine typische Arbeitsweise: Das 5-Agenten-System baut das Board auf und liefert einen Grundbericht. Während Sie die Ergebnisse durchgehen, tauchen spezifische Fragen auf. Für jede setzen Sie einen KI-Analysten an die relevanten Stellen.

Der KI-Analyst ist also das Chirurg-Werkzeug für gezielte Eingriffe — nach der großen Operation des 5-Agenten-Systems.

Der Board-Assistant im Chat

Seit der letzten Version gibt es eine weitere KI-Interaktion: den Board-Assistant im AI-Dropdown oben rechts. Er erscheint, sobald Ihr Projekt gescrapte Quellen oder Elemente enthält.

Der Unterschied zum KI-Analysten:

  • KI-Analyst — ist ein Knoten auf dem Board, hat feste Verbindungen, analysiert was verbunden ist
  • Board-Assistant — ist ein Chat-Fenster außerhalb des Boards, hat Schreibzugriff auf das gesamte Projekt

Mit dem Board-Assistant können Sie Dinge sagen wie:

  • „Lege ein neues Element ‚Person C' an, mit Adresse Kottbusser Tor"
  • „Verbinde alle News-Datenquellen mit dem Verlaufsgraphen"
  • „Ändere den Konfidenz-Typ von ‚Behauptung X' auf Bedingung"
  • „Lösche den Pfad von Element Y"

Der Chat-Verlauf wird pro Projekt gespeichert. Jede Aktion wird unter der Antwort als ✓/✗-Liste angezeigt — so bleibt nachvollziehbar, was der Assistent wirklich getan hat. Cross-Projekt-Zugriff ist ausgeschlossen — er arbeitet nur am aktuellen Projekt.

Hinweis — Der Board-Assistant ist ideal für Bulk-Operationen — also Aufgaben, die manuell mehrere Klicks brauchen würden, aber natürlich-sprachlich in einem Satz beschreibbar sind. Er beschleunigt Routinearbeit erheblich.

Grenzen des KI-Analysten

Wie jedes KI-Werkzeug hat auch der KI-Analyst Grenzen:

Er sieht nur was verbunden ist. Wenn wichtige Daten unverbunden auf dem Board liegen, bezieht er sie nicht ein. Dies ist Absicht — aber Sie müssen daran denken.

Er interpretiert nicht immer richtig. Besonders bei „Politische Ausrichtung" und „Eigene Frage" kann die KI Sprachmuster fehlinterpretieren oder Kontext übersehen.

Er halluziniert selten, aber doch. Wenn eine Frage gestellt wird, die sich aus den Quellen nicht beantworten lässt, kann die KI versuchen, eine Antwort zu konstruieren. Bei forensisch relevanten Aussagen: immer gegen die Quelle prüfen.

Er ersetzt keine Expertise. Die KI kann ein Lagebild erstellen, eine Faktenliste extrahieren, Sprache analysieren. Sie kann nicht die Einschätzung eines erfahrenen Ermittlers ersetzen, der den Fall in seiner Gesamtheit versteht.

Nutzen Sie den KI-Analysten wie einen sehr schnellen Rechercheassistenten — der liefert Material, das Sie dann selbst durchdenken.

Was Sie jetzt können

  • Einen KI-Analysten als Board-Knoten anlegen und mit Elementen verbinden
  • Die vier Analyse-Typen (Zusammenfassung, Faktenextraktion, Politische Ausrichtung, Eigene Frage) sinnvoll einsetzen
  • Rückfragen stellen und Analysen vertiefen
  • Mehrere KI-Analysten auf einem Board parallel nutzen
  • Den KI-Analysten vom 5-Agenten-System abgrenzen
  • Den Board-Assistant im Chat für Bulk-Operationen nutzen
  • Die Grenzen der KI-Analyse realistisch einschätzen