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Teil VII · Teilen

27Präsentationsmodus

Eine Ermittlung wird oft nur dann produktiv, wenn sie erzählt werden kann — vor Kollegen, Auftraggebern, Gerichten, Redaktionen. Der Präsentationsmodus von SpectralQ macht aus Ihrem Murder Board eine Prezi-artige Präsentation, die direkt auf der Canvas läuft. Slides speichern Viewport, aktive Elemente und Annotationen — es gibt keinen Export, keinen Medienbruch, das Board selbst ist die Präsentation. Dieses Kapitel zeigt, wie Sie Slides erstellen, Audio und Musik einbinden und die Präsentation souverän abspielen.

Das Prinzip: Präsentation auf dem Board selbst

Klassische Präsentationen bedeuten: Man baut in PowerPoint oder Keynote eine Folie, exportiert Screenshots vom eigentlichen Arbeitsprodukt und erklärt sie. Der Wechsel vom Arbeitstool zum Präsentationstool ist ein Bruch — er kostet Zeit, und die Dynamik der Daten geht verloren.

Der Präsentationsmodus von SpectralQ umgeht diesen Bruch. Er nutzt das Murder Board selbst als Leinwand. Eine Präsentation ist hier eine Folge von Board-Zuständen: Zoom, Pan, welche Nodes sichtbar sind, welche Map-Animation läuft, welche Annotationen darübergelegt wurden.

Beim Abspielen bewegt sich die Kamera zwischen diesen Zuständen — mit sanften Übergängen, Live-Daten, laufenden Animationen. Der Zuschauer sieht nicht eine Folie, sondern die echte Arbeitsumgebung in Aktion.

Hinweis — Das macht den Präsentationsmodus gleichzeitig zum Arbeitsbegleiter und Ergebnis-Vermittler. Während der Ermittlung nutzen Sie Slides als Lesezeichen für wichtige Zustände. Am Ende können dieselben Slides zur externen Präsentation werden — ohne Neubau.

Eine Präsentation beginnen

Den Präsentationsmodus finden Sie in der Toolbar unter Präsentation. Der Klick öffnet ein Panel am rechten Rand — das Präsentations-Panel. Hier verwalten Sie alle Slides Ihres Projekts.

Beim ersten Mal ist die Slide-Liste leer. Sie beginnen mit dem ersten Klick auf + Slide.

Einen Slide erstellen

Sobald Sie einen neuen Slide anlegen, wechselt das Board in den Annotations-Modus. Das erkennen Sie daran, dass Zeichenwerkzeuge im Panel erscheinen:

  • Marker — nummerierte Hinweispunkte mit eigenem Text
  • Pfeil — um auf Elemente zu zeigen
  • Rechteck und Kreis — für Bereichs-Hervorhebungen
  • Freihand — für manuelle Annotationen
  • Farbwähler — um Annotationen farblich zu differenzieren

Sie zeichnen direkt auf dem Board. Wichtig: Die Annotationen liegen in Canvas-Koordinaten. Sie bewegen sich mit Zoom und Pan — ein Kreis, den Sie um ein Element ziehen, bleibt an diesem Element, auch wenn Sie im nächsten Slide woanders hinspringen.

Neben den Annotationen geben Sie dem Slide:

  • Titel — erscheint beim Abspielen als Überschrift
  • Erklärender Text — ein kurzer Absatz, der zum Slide erzählt

Mit Speichern wird der aktuelle Zustand festgehalten. Gespeichert wird:

  • Der Viewport — also der sichtbare Ausschnitt mit Pan und Zoom
  • Die aktiven Nodes — welche Elemente/Datenquellen/Widgets gerade sichtbar und selektiert sind
  • Alle Annotationen dieses Slides
  • Die Widget-States — zum Beispiel welcher Kartentyp aktiv ist, wie Charts konfiguriert sind, welche Zeitposition der Timeslider hat
Hinweis — Der Slide ist ein vollständiger Board-Zustand, nicht nur ein Screenshot. Wenn Sie später auf den Slide zurückspringen, sieht das Board exakt so aus wie beim Speichern — mit allen Live-Daten, die zu diesem Zeitpunkt vorhanden sind.

Slides verwalten

Im Präsentations-Panel sehen Sie alle Slides als Liste. Folgende Aktionen stehen zur Verfügung:

Drag & Drop — Reihenfolge ändern. Sie können Slides per Ziehen umsortieren. Die Reihenfolge in der Liste ist die Reihenfolge beim Abspielen.

Bearbeiten. Ein Klick auf Bearbeiten öffnet den Slide erneut zur Anpassung. Sie können den Viewport verändern, Annotationen hinzufügen oder löschen, Titel und Text überarbeiten.

Löschen. Löscht den Slide samt aller Annotationen, die zu ihm gehören. Die Annotationen verschwinden nicht nur aus der Präsentation, sondern auch vom Board selbst — Annotations leben pro Slide.

Kommentare (💬). Jeder Slide hat einen aufklappbaren Kommentarbereich mit Zähler. Hier sammeln Sie Fragen, Gedanken oder Notizen zum jeweiligen Slide. Besonders wertvoll bei Remote-Präsentationen (Kapitel 28): Zuschauer können Kommentare hinterlassen, die Sie pro Slide sehen.

Audio-Kommentar pro Slide

Zu jedem Slide können Sie einen Audio-Kommentar aufnehmen. Ein 🎤-Button pro Slide öffnet das Audio-Popup.

Aufnehmen. Sobald Sie die Aufnahme starten, erscheint eine Live-Waveform mit Timer. Die KI kann sehen, dass Sie sprechen, Sie sehen ebenfalls, dass das Mikrofon aktiv ist. Ein Klick auf Stop beendet die Aufnahme — sie wird automatisch als WebM/Opus gespeichert.

Wiedergabe und Kontrolle. Nach der Aufnahme stehen zwei Buttons bereit:

  • Anhören / Pause — mit animierter Waveform als Fortschrittsanzeige. Der Button wechselt zwischen ▶ und ▮▮
  • Löschen — entfernt den Audio-Kommentar vom Slide

Automatische Wiedergabe in der Präsentation. Beim Abspielen der Präsentation wird das Audio automatisch mit dem Slide-Wechsel gestartet. Sie müssen nichts manuell starten — der Wechsel auf den Slide löst das Audio aus.

Hinweis — Audio-Kommentare sind besonders wertvoll für asynchrone Präsentationen. Sie nehmen Ihren Vortrag einmal auf, geben den Embed-Link weiter (Kapitel 28), und der Empfänger schaut sich alles zu eigener Zeit an — mit Ton, wie bei einer Live-Präsentation.

Hintergrundmusik

Für eine Präsentation können Sie einen Hintergrundmusik-Track wählen. Das Dropdown unten im Präsentations-Panel zeigt die verfügbaren Tracks. Ein Vorhör-Button (▶) lässt Sie einen Track testen, bevor Sie ihn zuweisen.

Verhalten beim Abspielen:

  • Die Musik startet automatisch beim Beginn der Präsentation
  • Sie läuft als Loop und bleibt im Hintergrund (leise)
  • Bei Freigabe oder Embed wird der Track mit gespeichert — Zuschauer bekommen dieselbe Musik

Bei Remote-Präsentationen gilt eine Besonderheit durch Browser-Autoplay-Policies: Die Musik startet beim ersten Klick des Viewers — nicht automatisch bei Seitenaufruf. Das ist technisch nicht anders möglich.

Hinweis — Hintergrundmusik in forensischen Präsentationen ist eine Ermessenssache. Bei technischen Analysen und offiziellen Berichten wirkt sie oft deplatziert. Bei Fall-Erzählungen, investigativen Features und Öffentlichkeits-Präsentationen kann sie atmosphärisch viel beitragen.

Die Präsentation abspielen

Der -Button startet das Vollbild-Playback. Was dann passiert:

Kamera-Fahrten. Die Kamera bewegt sich mit 800ms Ease-Übergängen von Slide zu Slide. Statt abrupter Schnitte sehen Sie fließende Bewegungen durch das Board — mit Zoom, Pan, sanfter Beschleunigung und Abbremsung.

Cursor-Typing. Titel und Beschreibung jedes Slides werden Zeichen für Zeichen eingeblendet — nicht als fertiger Block. Das gibt der Präsentation einen erzählerischen Charakter.

Timeline-Pulsieren. Wenn auf einem Slide eine Karten-Animation läuft, pulsieren die Play-Buttons und Slider der Karten-Timelines sanft. Das ist ein Bedienungshinweis für den Vortragenden: Hier könnte man auf Play drücken, die Karte in Echtzeit abspielen lassen, pausieren, weiter navigieren. Die Präsentation ist live bedienbar.

Navigation. Tastatur-Steuerung:

  • / — zum vorherigen/nächsten Slide
  • Leertaste — zum nächsten Slide
  • Esc — beendet die Präsentation

Vollbild. Der ⛶-Button schaltet in den Browser-Vollbildmodus. Erneuter Klick oder Esc verlässt ihn.

Ton an/aus. Der 🔊-Button schaltet die Hintergrundmusik stumm — nicht die Slide-Audios, die laufen weiter.

Chat-Panel. Während des Playbacks ist ein 💬-Panel einblendbar — für Kommentare von Zuschauern oder Notizen des Vortragenden. Das Panel aktualisiert sich alle 10 Sekunden, sodass auch Remote-Zuschauer (Kapitel 28) in Echtzeit mitschreiben können.

Ende der Präsentation. Nach Beenden wird der Board-Zustand wiederhergestellt, so wie er vor dem Start war. Alle Slide-Annotationen bleiben im Hintergrund verfügbar, aber das Board ist wieder in seinem normalen Arbeitszustand.

Anwendungsmuster

Muster 1 — Interne Fall-Präsentation

Sie haben eine Ermittlung abgeschlossen und wollen das Team durchführen. Fünf Slides:

  1. Ausgangslage — Überblick über die zentralen Elemente
  2. Zeitverlauf — Karte mit Animation, die den rekonstruierten Ablauf zeigt
  3. Kritische Punkte — Zoom auf eine spezifische Szene, Annotationen zeigen die Beweiskette
  4. Triangulation — Verlaufsgraphen übereinandergelegt, KI-Analyse dazu
  5. Fazit — Zoom zurück auf das Gesamtbild, Befund-Text

Pro Slide ein gesprochener Audio-Kommentar. Der Vortrag dauert 12 Minuten, die Zuhörer sehen nicht Folien, sondern den Denkweg durch die Ermittlung.

Muster 2 — Asynchrone Weitergabe

Sie übergeben einen Fall an einen Kollegen, der ihn nicht live gezeigt bekommen kann. Statt einer schriftlichen Zusammenfassung bauen Sie eine Präsentation mit Audio-Kommentaren. Der Kollege klickt sich selbst durch — in seinem Tempo, mit der Möglichkeit, jederzeit zu pausieren und im Board selbst herumzunavigieren.

Muster 3 — Öffentliche Präsentation mit Hintergrundmusik

Für ein Investigativ-Journalismus-Projekt bauen Sie eine Präsentation, die als Embed auf der Website des Mediums eingebunden wird (Kapitel 28). Sanfte Hintergrundmusik, Audio-Kommentare, animierte Übergänge — es entsteht ein durchgängiger narrativer Fluss, den Zuschauer wie einen kurzen Dokumentarfilm erleben.

Muster 4 — Arbeitsbegleiter während der Ermittlung

Sie nutzen Slides nicht nur für externe Präsentationen, sondern auch während der Ermittlung als Lesezeichen. Wichtige Board-Zustände werden als Slide gespeichert, sodass Sie jederzeit zurückspringen können — ohne manuell zu navigieren. Die Slide-Liste wird zur strukturierten Geschichte Ihrer Gedankenarbeit.

Grenzen des Präsentationsmodus

Einige Dinge sind bewusst nicht möglich:

Kein klassischer Export. Sie können aus der Präsentation kein PowerPoint, kein PDF exportieren. Das Format ist an SpectralQ gebunden — es lebt vom Live-Charakter des Boards. Wer Daten in ein PowerPoint braucht, nutzt stattdessen den Bericht-Export des Projekts (Kapitel 33).

Kein Video-Rendering. Der Präsentationsmodus erzeugt kein Video. Er ist für Live- oder Remote-Präsentation gedacht. Wenn Sie tatsächlich ein Video brauchen, nehmen Sie während des Abspielens den Bildschirm auf — mit OBS, QuickTime oder vergleichbaren Tools.

Begrenzte Design-Kontrolle. Sie gestalten keine Folien im Grafikdesign-Sinn. Es gibt keine Layouts mit Spalten, keine Tabellen-Templates, keine Slide-Master. Das ist gewollt: Der Fokus liegt auf Inhalt und Denkfluss, nicht auf visueller Gestaltung. Wer ein poliertes Pitch-Deck will, baut das nicht hier.

Hinweis — Die Stärke des Präsentationsmodus liegt in der Authentizität. Zuschauer sehen das echte Arbeitsprodukt — nicht eine aufbereitete Hülle. Das ist bei forensischen Themen oft entscheidend für Glaubwürdigkeit.

Was Sie jetzt können

  • Den Präsentationsmodus über die Toolbar öffnen und das Panel nutzen
  • Slides durch Annotations-Modus erstellen und mit Titel und Text versehen
  • Slides per Drag & Drop sortieren, bearbeiten und löschen
  • Audio-Kommentare pro Slide aufnehmen und verwalten
  • Hintergrundmusik auswählen und testen
  • Die Präsentation im Vollbildmodus abspielen
  • Kamera-Fahrten, Cursor-Typing und Timeline-Pulsieren nutzen
  • Per Tastatur oder Chat-Panel während der Präsentation navigieren
  • Typische Anwendungsmuster (interne Präsentation, asynchrone Weitergabe, öffentliche Präsentation, Arbeitsbegleiter) umsetzen
  • Die Grenzen des Modus (kein Export, kein Video, begrenzte Gestaltung) einordnen