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Teil II · Das Murder Board

6Verlaufsgraphen und Synchronisation

Verlaufsgraphen zeigen, wie sich Datenwerte über die Zeit verändern — Suchvolumen, Nachrichten-Frequenz, Seismik-Messungen, Flugbewegungen. In SpectralQ sind sie nicht isoliert, sondern mit Karten und Zeitachsen synchronisiert. Ein Klick auf einen Datenpunkt bewegt die Karte auf denselben Moment. Dieses Kapitel zeigt, wie Sie Verlaufsgraphen einrichten und im Zusammenspiel mit der Karte nutzen.

Was ein Verlaufsgraph leistet

Ein Verlaufsgraph visualisiert eine oder mehrere Zeitreihen aus einer oder mehreren Datenquellen. Die X-Achse ist immer die Zeit. Die Y-Achse zeigt den jeweiligen Messwert.

Typische Anwendungsfälle:

  • Suchvolumen zu einem Keyword im Zeitverlauf
  • Nachrichten-Frequenz zu einem Thema pro Tag
  • Seismik-Ereignisse an einem Ort
  • Flugbewegungen in einem Luftraum
  • Wikipedia-Edits an einem Artikel
  • Telegram-Nachrichten in einem Kanal

Das Besondere an SpectralQ: Mehrere Zeitreihen aus unterschiedlichen Quellen können auf derselben Zeitachse übereinandergelegt werden — die Grundlage jeder Triangulation.

Einen Verlaufsgraphen anlegen

Wie jedes andere Widget über das + Menü:

  1. + Button → Verlaufsgraph
  2. Ein Chart-Knoten erscheint auf dem Board
  3. Verbinden Sie Datenquellen mit dem Graphen

Ohne Verbindungen bleibt der Graph leer. Sobald eine Datenquelle Daten geliefert hat und mit dem Graphen verbunden ist, erscheinen die Werte als Linie oder Balken.

Hinweis — Das Prinzip Element → Datenquelle → Karte/Graph gilt auch hier: Elemente definieren das Thema, Datenquellen liefern Werte, der Graph visualisiert sie.

Darstellungsoptionen

Im Header des Graphen können Sie zwischen Darstellungen umschalten:

Linie oder Balken

Linie ist der Standard — sie zeigt den Verlauf kontinuierlich. Balken eignet sich für diskrete Ereignisse oder kumulative Darstellungen. Für kumulative Werte steht zusätzlich Stacked-Bar zur Verfügung — die Werte werden übereinandergestapelt, sodass Sie die Gesamtsumme pro Zeitpunkt sehen.

Auflösung

Sie können die Zeitauflösung anpassen:

  • Stunden — für feinkörnige Analysen über wenige Tage
  • Tage — Standard für Wochen bis Monate
  • Wochen — für längere Zeiträume

Die Auflösung beeinflusst, wie die Datenpunkte aggregiert werden. Wenn Sie von Tages- auf Stundenauflösung wechseln, werden bisher verdichtete Spitzen sichtbar.

Multi-Y-Achsen

Der entscheidende Unterschied zu normalen Charts: SpectralQ unterstützt mehrere Y-Achsen im selben Graphen — automatisch.

Wenn Sie zwei Datenquellen mit unterschiedlichen Einheiten verbinden (etwa Suchvolumen in relativen Einheiten und Nachrichten-Anzahl in absoluten Zahlen), bekommt jede Serie ihre eigene Y-Achse. Die Achsen sind farblich zur jeweiligen Serie abgestimmt — so bleibt lesbar, welche Linie zu welcher Skala gehört.

Das macht echte Überlagerungen möglich: Sie können ein Suchvolumen und ein Medienecho im selben Graphen darstellen, ohne dass die kleinere Skala verschwindet.

Hinweis — Multi-Y-Achsen sind die Grundlage für Triangulation. Erst wenn mehrere Kurven aus unterschiedlichen Quellen auf einer gemeinsamen Zeitachse sichtbar sind, können Sie erkennen, ob Signale konvergieren — und wo.

Crosshair und Wochenend-Markierung

Wenn Sie mit dem Mauszeiger über den Graphen fahren, erscheint eine vertikale Crosshair-Linie. Sie zeigt den exakten Zeitpunkt an, und ein Tooltip informiert über Wochentag und konkrete Werte aller Serien an dieser Stelle.

Wochenenden werden im Hintergrund dezent markiert — als sanfte graue Bänder. So erkennen Sie sofort, ob ein Anstieg an Werktagen oder am Wochenende stattfand. Bei vielen Analysen ist das relevant: Suchvolumen verhält sich am Wochenende anders als unter der Woche, Flugbewegungen ebenfalls.

Das Datumsformat im Tooltip richtet sich nach der Admin-Einstellung des Systems — deutsches oder internationales Format.

Klick-Synchronisation mit Karten

Das mächtigste Feature des Verlaufsgraphen ist die Synchronisation mit verbundenen Karten.

Wenn Sie einen Punkt im Graphen anklicken, passiert Folgendes:

  • Alle mit dem Graphen oder dem Element verbundenen Karten springen auf denselben Zeitpunkt
  • Die Karten-Animation setzt den Timeslider-Cursor auf diese Zeit
  • Alle zeitgesteuerten Darstellungen aktualisieren sich entsprechend — Positionen, Umkreise, gezeichnete Objekte, Tag/Nacht-Simulation

Das schließt den Kreis zwischen Zeit und Raum: Sie sehen einen Spike im Suchvolumen — klicken darauf — und sehen sofort, wo sich welche Akteure in dem Moment befanden.

Hinweis — Diese Synchronisation funktioniert auch in die andere Richtung: Ein Klick auf einen Wegpunkt in der Karte zeigt in allen verbundenen Graphen die Werte zum selben Zeitpunkt — dank der Crosshair-Linie, die automatisch mitwandert.

Verlaufsgraphen sinnvoll kombinieren

Ein einzelner Graph zeigt eine Zeitreihe. Die eigentliche Stärke entfaltet sich erst bei Kombinationen:

Beispiel 1 — Korrelation von Suche und Nachrichten
Verbinden Sie einen GT-Studio-Knoten mit Ihrem Element. Verbinden Sie zusätzlich eine News-Datenquelle mit demselben Element. Schließen Sie beide an einen gemeinsamen Graphen an. Sie sehen: Wann stieg das Suchvolumen? Wann folgten die Schlagzeilen? Läuft die Suche den Nachrichten voraus — oder reagieren die Nutzer auf Berichte?

Beispiel 2 — Infrastruktur-Vorfall
Kombinieren Sie Seismik-Daten, Internet-Health-Metriken und Flugverkehr-Anomalien in einem Graphen. Ein echter Vorfall zeigt sich oft als Kaskade — nicht als Einzelsignal.

Beispiel 3 — Kapitalmarkt-Analyse
Kursdaten einer Aktie, Rohstoffpreise, Suchvolumen nach dem Unternehmensnamen. Wenn das Suchvolumen dem Kurs vorauslief, ist das ein Signal, das einer tieferen Prüfung wert ist.

Die Rolle in der Triangulation

Verlaufsgraphen sind das Instrument, mit dem SpectralQ konvergierende Signale sichtbar macht. Ein einzelner Ausschlag in einer Datenquelle ist Zufall. Mehrere gleichzeitige Ausschläge in unabhängigen Quellen sind ein Befund.

Das Auge erkennt solche Konvergenzen erstaunlich gut — vorausgesetzt, die Kurven liegen auf derselben Zeitachse und sind visuell sauber getrennt. Genau das leisten Multi-Y-Achsen und farbliche Zuordnung.

Die mathematische Prüfung dieser Konvergenzen — Korrelation, Lag-Analyse, Granger-Kausalität — findet später im GT Studio statt (Kapitel 24–26). Der Verlaufsgraph auf dem Murder Board ist die visuelle Vorstufe: Hier entsteht die Intuition, die später systematisch geprüft wird.

Was Sie jetzt können

  • Verlaufsgraphen einrichten und mit Datenquellen verbinden
  • Zwischen Linien-, Balken- und Stacked-Bar-Darstellung wählen
  • Die Zeitauflösung von Stunden bis Wochen anpassen
  • Mehrere Datenquellen mit unterschiedlichen Einheiten per Multi-Y-Achsen übereinanderlegen
  • Crosshair und Wochenend-Markierungen zur Interpretation nutzen
  • Zwischen Graph und Karte per Klick-Synchronisation wechseln
  • Triangulations-Muster visuell erkennen, bevor sie mathematisch geprüft werden